Von den Hängen von Kayaköy, wo Hunderte verlassene Steinhäuser im Flüstern des Windes von einer bewegten Vergangenheit zeugen, bis hin zu den 350 Meter tiefen Kalksteinklippen des Schmetterlingstals vereint die Region Fethiye atemberaubende Naturdramatik und berührende Menschheitsgeschichte. Zwischen antiken lykischen Felsengräbern, den schroffen Gipfeln des Babadağ, schattigen Wanderpfaden der Kabak-Bucht und tosenden Gebirgsschluchten eröffnet sich eine facettenreiche Welt für Naturliebhaber und Kulturreisende.
- Geschichte und wehmütiges Erbe: Von Karmylassos zur Stille des Bevölkerungsaustauschs
Die Wurzeln von Kayaköy reichen bis in die Antike zur lykischen Siedlung Karmylassos zurück. Im 19. Jahrhundert unter dem Namen Levissi bekannt, lebten hier griechisch-orthodoxe und muslimische Handwerker und Bauern über Generationen in friedlicher Nachbarschaft. Infolge des Vertrags von Lausanne und des Bevölkerungsaustauschs von 1923 verließen die Bewohner das Dorf. Die terrassenförmig errichteten Steinhäuser, Basiliken und Windmühlen verwaisten und machten den Ort zum weltbekannten 'Geisterdorf'. Diese Kulisse inspirierte auch Louis de Bernières zu seinem gefeierten Roman 'Traum aus Stein und Federn' (Birds Without Wings) und belegt eine erstaunliche Siedlungsplanung, bei der kein Haus dem Nachbarn das Sonnenlicht nahm.
- Zwei-Tage-Erkundungsroute: Geisterdorf, Canyons und versteckte Strände
Tag 1: Gassen von Kayaköy, Wanderung zur Bucht Soğuk Su und Gemiler-Strand
Der Tag beginnt in der stillen Morgenluft von Kayaköy. Nach der Besichtigung der Unteren Kirche (Panagia Pirgiotissa) und der Oberen Kirche (Taksiyarhis) führt der Rundgang durch die verlassenen Steingassen. Wilde Feigenbäume, die aus dachlosen Wohnzimmern sprießen, verleihen der Ruinenstadt eine ergreifende Atmosphäre.
Mittags folgt man dem markierten Lykischen Pfad von der Bergkapelle aus durch duftende Kiefernwälder hinunter zur Bucht Soğuk Su (Kaltwasser-Bucht). Unterirdische Karstquellen speisen eiskaltes Süßwasser direkt vom Meeresboden ein und bieten Wanderern eine herrlich belebende Erfrischung.
Am Nachmittag erreichen Sie in nur 10 Fahrminuten die Gemiler-Bucht. Mit direktem Blick auf die geschichtsträchtige St.-Nikolaus-Insel (Gemiler Adası), die mit frühchristlichen Kirchenruinen und Felsengängen übersät ist, lässt sich der Sonnenuntergang unter Olivenbäumen genießen.
Zum Tagesabschluss spazieren Sie entlang der weltberühmten Blauen Lagune von Ölüdeniz und beobachten die Paraglider, die sanft vom 1.965 Meter hohen Babadağ herabschweben.
Tag 2: Schmetterlingstal, Saklıkent-Canyon und lykische Metropolen
Tag zwei startet oberhalb des Dorfes Faralya am Panoramapunkt des Schmetterlingstals. Der Blick senkrecht in die Schlucht hinab auf den einsamen Strand ist ein unvergessliches Fotomotiv. Weiter entlang der Küste laden die Natur-Camps der Kabak-Bucht zum Verweilen ein.
Anschließend besuchen Sie im Stadtzentrum von Fethiye das hellenistische Theater von Telmessos sowie die in die Felswand gemeißelten Gräber des Amyntas, gefolgt von einem Spaziergang an der Strandpromenade von Çalış.
Nachmittags wartet ein echtes Abenteuer im 18 Kilometer langen Saklıkent-Nationalpark. Auf hölzernen Stegen watet man durch das eiskalte Gebirgswasser in die bis zu 300 Meter tiefe Felsenschlucht hinein.
Auf dem Rückweg lohnt der Besuch der stolzen Akropolis von Tlos, der Heimat der mythischen Sagengestalten Bellerophon und Pegasus.
Krönender Höhepunkt ist das UNESCO-Weltkulturerbe Letoon, das religiöse Herz des Lykischen Bundes mit Tempeln für Leto, Apollon und Artemis.
In der Abendstille verzaubern die freistehenden römischen Sarkophage und Tempelgräber von Sidyma inmitten uralter Olivenhaine.
- Öffnungszeiten und Eintrittspreise 2026
- Ausgrabungsgelände Kayaköy: Täglich 08:30 - 19:30 Uhr. Museumspass Türkei gültig; Einzeltickets an der Kasse. Rutschfestes Schuhwerk für unebene Steingassen erforderlich.
- Aussichtspunkt Schmetterlingstal: Frei zugänglich an der Straße nach Faralya. Warnung: Keine Geländer vorhanden; äußerste Vorsicht an den Steilkanten geboten.
- Ölüdeniz Kumburnu Naturpark: Täglich 08:00 - 20:00 Uhr geöffnet; Eintritt für Fußgänger und Fahrzeuge gebührenpflichtig.
- Saklıkent-Canyon: Täglich 08:30 - 19:00 Uhr. Eintritt ticketpflichtig (Museumspass nicht gültig). Helmpflicht (im Preis inbegriffen); Badeschuhe können geliehen werden.
- Tlos und Letoon: Täglich geöffnet von 08:30 bis 19:00 Uhr. Im Museumspass Türkei enthalten.
- Anreise und Mobilität
- Minibusse nach Kayaköy: Alle 30 Minuten ab dem zentralen Busbahnhof Fethiye und der Zentralmoschee (Fahrzeit ca. 20 Minuten).
- Ölüdeniz - Faralya - Kabak: Regelmäßige Dolmuş-Verbindungen ab Ölüdeniz Strand hinauf nach Faralya und ins Kabak-Tal.
- Bootstransfer ins Schmetterlingstal: Es führt keine Straße in die Schlucht hinunter; Pendelboote verkehren regelmäßig ab Belcekız-Strand in Ölüdeniz (15 Minuten Fahrt).
- Dolmuş nach Saklıkent: Direkte Busverbindungen vom Busbahnhof Fethiye bis zum Canyoneingang (ca. 45 km, 50 Minuten).
- Flughafen: Der Flughafen Dalaman liegt 45 km entfernt mit HAVAŞ-Shuttlebussen nach Fethiye.
- Gastronomie, Naturcamps und Reisetipps
Kulinarische Köstlichkeiten und Outdoor-Empfehlungen:
- Kayaköy Grubenkebab (Kuyu Kebabı) & Gözleme: Zartes Lammfleisch, das stundenlang in gemauerten Erdöfen über Kiefernholz gart, serviert mit frischen Kräuter-Gözleme.
- Babadağ Schmortopf & Hochlandjoghurt: Würziger Lammfleischtopf mit Waldthymian und cremiger süzme Joghurt der Almbauern.
- Kabak-Tal Campingkultur: Übernachten in Holzbungalows oder Zelten unter Sternenhimmel mit regionalen mediterranen Frühstücksbuffets.
- Sicherheit auf dem Lykischen Weg: Pfade sind rot-weiß markiert. Im Hochsommer nur früh morgens mit reichlich Trinkwasser und Sonnenschutz wandern.
Dem Flüstern des Windes in den verlassenen Gemäuern von Kayaköy zu lauschen und den Blick über das leuchtende Schmetterlingstal schweifen zu lassen, schenkt unvergessliche Glücksmomente.










