Im fruchtbaren Dandalaz-Tal am Fuße des Babadağ-Gebirges im Landkreis Karacasu (Provinz Aydın) erhebt sich die antike Stadt Aphrodisias – das berühmteste Bildhauerzentrum des Römischen Reiches. Gewidmet Aphrodite, der Göttin der Liebe und Schönheit, gehört die weiße Marmormetropole heute zum UNESCO-Weltkulturerbe. Sie birgt das am besten erhaltene antike Stadion für 30.000 Zuschauer, das prachtvolle Tetrapylon-Eingangstor, die kaiserlichen Reliefs des Sebasteion und die 5.000 Jahre alte Tradition der Töpferkunst aus rotem Ton im nahegelegenen Karacasu.
- Geschichte und Skulpturenkunst: Die Schule von Aphrodisias, Ara Güler und Kenan Erim
Die Besiedlung von Aphrodisias reicht bis ins Chalkolithikum (5. Jahrtausend v. Chr.) zurück. Ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. begünstigten die nahegelegenen Steinbrüche mit feinstem weißem und blaugrauem Marmor die Entstehung einer legendären Bildhauerschule. Kaiser Augustus stellte die Stadt unter seinen persönlichen Schutz und befreite sie von Steuern. Bildhauer aus Aphrodisias belieferten Tempel, Paläste und Foren im gesamten Mittelmeerraum; sie meisterten die Kunst, massiven Marmor wie hauchdünne, fließende Seide erscheinen zu lassen.
Die Wiederentdeckung der Stadt in der Moderne begann 1958, als der berühmte Fotograf Ara Güler sich nach einer Reportage verfuhr und im Dorf Geyre landete. Dort sah er Dorfbewohner, die im Kaffeehaus auf korinthischen Kapitellen saßen und antike Sarkophage als Traubenpressen nutzten. Seine Fotografien erregten weltweites Aufsehen. Der Archäologe Prof. Dr. Kenan Erim widmete der Erforschung von Aphrodisias sein Lebenswerk von 1961 bis zu seinem Tod 1990; er ruht heute in einem Ehrengrab neben dem Tetrapylon.
- Zwei-Tage-Erkundungsroute: Marmorruinen, Sebasteion, Töpfermeister und Hochebenen
Tag 1: Tetrapylon, 30.000-Plätze-Stadion, Sebasteion, Theater und Museum
Der Tag beginnt am berühmten Tetrapylon, dem Wahrzeichen von Aphrodisias. Die 16 eleganten Marmorsäulen in vier Vierergruppen bildeten im 2. Jahrhundert n. Chr. das prunkvolle Eingangsportal zum Tempelbezirk.
Nach wenigen Schritten Richtung Norden öffnet sich das monumentale Stadion von Aphrodisias – die am vollständigsten erhaltene antike Wettkampfstätte der Welt mit 262 Metern Länge und 30.000 Sitzplätzen.
Im Anschluss besichtigen Sie das Sebasteion, einen dreistöckigen Zeremonienkomplex zu Ehren der römischen Kaiser mit spektakulären Marmorreliefs mythologischer Szenen und römischer Siege.
Das 7.000 Zuschauer fassende antike Theater schmiegt sich an den Hang des Akropolishügels und besticht durch Marmorlogen und Bühnenreliefs.
Den Abschluss bildet das Museum von Aphrodisias mit den Originalfriesen des Sebasteion, Statuen der Aphrodite und detailreichen Sarkophagen.
Tag 2: Töpferviertel Karacasu, Pide-Platz, Dandalaz-Brücke, Höhle Sırtlanini und Hochebene
Der zweite Tag führt in das historische Zentrum von Karacasu, wo die 5.000 Jahre alte Tradition der Töpferkunst mit handbetriebenen Töpferscheiben fortlebt.
Mittags kehren Sie am Marktplatz von Karacasu ein, um das berühmte Karacasu Pide aus dem Holzofen zu kosten – hauchdünn und knusprig belegt.
Nachmittags besuchen Sie die osmanische Dandalaz-Bogenbrücke aus dem 15. Jahrhundert über den gleichnamigen Fluss.
Danach geht es zur 348 Meter langen Sırtlanini-Tropfsteinhöhle nahe Çamarası mit jahrtausendealten Stalaktiten und Tropfsteinsäulen.
Den Tag beschließt die Kahvederesi-Hochebene auf 1.100 m Höhe mit erfrischenden Bergquellen und uralten Platanen.
- Öffnungszeiten, Eintrittspreise 2026 und Museumspass
- Ausgrabungsstätte & Museum Aphrodisias: Sommersaison (1. April – 31. Oktober) 08:30 – 19:00 Uhr; Wintersaison (1. November – 31. März) 08:30 – 17:30 Uhr täglich.
- Gültigkeit des Museumspasses: Der türkische Museumspass (Müzekart) gilt für das Ausgrabungsgelände und das Museum; Eintritt für internationale Gäste 2026 ca. 12 Euro.
- Töpferwerkstätten Karacasu: Tagsüber geöffnet, Schauvorführungen sind kostenfrei und herzlich willkommen.
- Sırtlanini-Höhle: Rutschfeste Wanderschuhe und eine Taschenlampe werden für den Besuch empfohlen.
- Parkmöglichkeiten: Großzügige, schattige Parkplätze direkt vor dem Eingang der Ausgrabungsstätte.
- Anreise und Verkehrsverbindungen: Nazilli-Route und Minibusse
- Anreise mit dem Pkw: Über die Schnellstraße İzmir-Aydın-Denizli bis Nazilli, dort auf die gut ausgebaute Straße nach Karacasu (38 km) und weiter nach Geyre / Aphrodisias (12 km).
- Von Denizli und Pamukkale: Über Tavas auf der landschaftlich reizvollen Bergstraße in rund 50 Minuten erreichbar.
- Öffentlicher Nahverkehr: Minibusse verkehren alle 20 Minuten von Nazilli nach Karacasu; Shuttles nach Aphrodisias halbstündlich.
- Straßenzustand: Die Verbindung Nazilli - Karacasu - Aphrodisias ist asphaltiert und für alle Fahrzeuge problemlos befahrbar.
- Parken: Bewachte kommunale Parkplätze am Museumseingang und im Stadtzentrum von Karacasu.
- Karacasu Gastronomie und Insidertipps
- Karacasu Pide: Die knusprigen Teigschiffchen mit Hackfleisch, Käse oder süßem Tahin mit Büffel-Sahne (Kaymak) sind weltberühmt.
- Kuyu Tandır (Grubenbraten): Zartes Lammfleisch, das stundenlang in versiegelten Erdöfen gegart wird – eine Spezialität der Hochebenen.
- Töpferwaren aus rotem Ton: Traditionelle Tontöpfe (Güveç) und Krüge verleihen Schmorgerichten ein unvergleichliches Aroma.
- Sonnenschutz für das weitläufige Gelände: Für den Rundgang durch Aphrodisias mindestens 3–4 Stunden einplanen; Sonnenhut und Wasser mitnehmen.
- Fototipps für Ara Güler-Perspektiven: Am frühen Vormittag (09:00 Uhr) oder späten Nachmittag (17:30 Uhr) herrschen am Tetrapylon und Stadion ideale Lichtverhältnisse.











