An der östlichen Grenze der Türkei, hoch über den steilen Basaltwänden der Arpaçay-Schlucht (Achurjan), erhebt sich die sagenumwobene Ruinenstadt Ani. Einst als „Stadt der 1.001 Kirchen“ und „Stadt der 40 Tore“ im gesamten Orient gerühmt, bildete Ani eine der reichsten Handels- und Kulturmetropolen der mittelalterlichen Seidenstraße. Seit 2016 gehört Ani zum UNESCO-Weltkulturerbe und spiegelt das architektonische Meisterkönnen armenischer, byzantinischer, seldschukischer und georgischer Epochen wider.
2-Tage-Reiseroute: Seidenstraße und kaukasisches Erbe
Um die 78 Hektar große archäologische Hochebene von Ani und die vom russischen Baltikum-Stil geprägte Stadt Kars gründlich zu erkunden, empfiehlt sich ein zweitägiges Programm. Tag eins ist den windumwehten Ruinen am armenischen Grenzfluss gewidmet, Tag zwei der historischen Festung Kars, bedeutenden Sufi-Schreinen und regionalen Delikatessen.
Tag 1: Löwentor, Kathedrale von Ani und Menûçihr-Moschee
Betreten Sie die Ausgrabungsstätte um 09:00 Uhr durch das mächtige Löwentor (Aslanlı Kapı) in der doppelten Stadtmauer aus rotem und schwarzem Tuffstein. Dahinter öffnet sich die weite Hochebene mit ihren solitären Monumentalbauten. Erstes Highlight ist die Kathedrale von Ani, erbaut von Meisterarchitekt Trdat (der auch die Kuppel der Hagia Sophia in Konstantinopel instand setzte). Nach der seldschukischen Eroberung 1064 durch Sultan Alparslan wurde sie zur Fethiye-Moschee umgewandelt.
Die erste türkische Moschee Anatoliens: Menûçihr-Moschee
Direkt an den schroffen Felskanten der Grenzschlucht erhebt sich die Menûçihr-Moschee, errichtet 1072 durch Emir Menûçihr aus der Dynastie der Schaddadiden. Als älteste erhaltene türkische Moschee auf anatolischem Boden fasziniert sie mit ihrem achteckigen Minarett, farbenprächtigen Kreuzgratgewölben und weiten Bogenfenstern, die den Blick tief in die Schlucht freigeben.
Tigran-Honents-Kirche und Erlöserkirche (Halaskar)
Ein Pfad entlang des Abgrunds führt zur 1215 vom reichen Händler Tigran Honents gestifteten Kirche des Heiligen Gregor. Das Kircheninnere birgt den am besten erhaltenen mittelalterlichen Freskenzyklus Ostanatoliens mit Darstellungen des Lebens Christi und Gregors des Erleuchters.
Mitten auf dem Hochplateau steht die Halbkaskade der Erlöserkirche (Halaskar / Surp Prkich) von 1035. Im Jahr 1957 schlug ein Blitz in den Rundbau ein und spaltete die Kirche senkrecht in zwei Hälften, sodass ihr Innenleben wie ein aufgeschlagenes architektonisches Buch sichtbar bleibt.
Das Kloster Khtzkonk (Fünf Kirchen) & Kathedrale von Mren
In den umliegenden Tälern zeugen das einsam gelegene Kloster Khtzkonk (Beş Kilise) aus dem 10. Jahrhundert und die frühchristliche Kuppelbasilika Mren aus dem 7. Jahrhundert von der jahrtausendealten Kulturlandschaft.
Tag 2: Festung Kars, Apostelkirche & Sufi-Kulturerbe
Der zweite Tag gehört der historischen Festungsstadt Kars. Auf einem Felsmassiv über dem Fluss thront die 1153 von den Saltukiden erbaute Festung Kars. Von den Wehrmauern aus bietet sich ein herrlicher Blick über die Altstadt.
Am Fuße der Burg steht die Apostelkirche (Kümbet-Moschee) aus dem 10. Jahrhundert mit feinen Reliefs der zwölf Apostel am Tambour. Gleich daneben befindet sich der Schrein des berühmten persisch-anatolischen Mystikers Ebu'l Hasan Harakani, einer geistigen Schlüsselfigur Ostanatoliens.
Puschkin-Hamam und Baltische Architektur
An der historischen Steinbrücke liegt das Mazlum-Ağa-Badehaus, in dem der russische Dichter Alexander Puschkin 1829 auf seiner Reise nach Erzurum badete. Ein Spaziergang durch die schachbrettartig angelegten Straßenzüge mit ihren Herrenhäusern im baltischen Zarenstil rundet den Tag ab.
Praktische Hinweise, Öffnungszeiten & Eintrittspreise (2026)
- Eintritt Ani: Mit dem türkischen Museumspass frei; für ausländische Reisende beträgt der Eintritt ca. 15 Euro.
- Öffnungszeiten: Sommer (April bis Oktober): 08:30 bis 19:00 Uhr; Winter (November bis März): 08:30 bis 17:00 Uhr. Kassenschluss jeweils 30 Minuten vorher.
- Klima & Kleidung: Ani liegt auf einer exponierten Hochebene auf 1.450 m Höhe. Im Winter herrschen zweistellige Minusgrade und Schnee; feste Thermoschuhe und winddichte Kleidung sind unerlässlich.
- Grenzbestimmungen: Die Schlucht bildet die militärische Demarkationslinie zu Armenien. Drohnenflüge sind strikt untersagt, die Grenzmarkierungen dürfen nicht überschritten werden.
- Museen in Kars: Das Archäologische Museum Kars und das Kaukasusfront-Militärmuseum sind im Museumspass enthalten.
Anreise und Nahverkehrslogistik
- Minibus-Shuttles nach Ani: Täglich um 09:00 und 10:00 Uhr fahren städtische Kleinbusse vor dem Gazi-Ahmet-Muhtar-Pascha-Palais in Kars ab (Rückfahrt ab Ani um 13:30 und 15:00 Uhr).
- Mietwagen & Taxi: Ani liegt 42 km östlich von Kars an einer gut ausgebauten Asphaltstraße (Fahrzeit ca. 40 Minuten). Festpreistouren mit Taxen sind in Kars überall verfügbar.
- Flughafen Kars (KSY): Nur 6 km vom Stadtzentrum entfernt mit täglichen Direktflügen aus Istanbul und Ankara.
- Tourismus-Zug Doğu Ekspresi: Der legendäre Schlafwagenzug aus Ankara endet direkt am Hauptbahnhof Kars — eine der berühmtesten Bahnreisen der Welt.
Kulinarische Höhepunkte aus Kars
- Kars-Gans (Kars Kazı): Traditionell im Spätherbst luftgetrocknete Gans, im Lehmofen knusprig gegart und auf im Gänsefett gedämpftem Bulgur serviert.
- Kars-Gruyère & Reifer Kaşar: In hochalpinen Sennereien des Dorfes Boğatepe nach Schweizer Tradition handgefertigter Höhlenkäse aus reiner Weidemilch.
- Piti-Kebab (Bozbaş): Zarte Lammhaxe mit Kichererbsen und Safran im Tontopf geschmort, heiß über zupftes Fladenbrot gegossen.
- Hangel: Hausgemachte Teigblättchen mit cremigem Knoblauchjoghurt und reichlich geschmälzten Zwiebeln.
Das Ausgrabungsgelände von Ani umfasst stolze 78 Hektar. Für die komplette Rundwanderung zu allen Hauptkirchen und Schluchtaussichten sollten Sie mindestens 3 bis 4 Stunden und rund 7 bis 8 Kilometer Fußweg einplanen. Nehmen Sie ausreichend Wasser und Proviant mit, da sich Verpflegungsmöglichkeiten ausschließlich am Haupteingang befinden.









