Auf schroffen Felsgraten im Herzen Zentralanatoliens im Landkreis Bogazkale der Provinz Corum gelegen, war Hattuscha (Bogazköy) zwischen dem 17. und 12. Jahrhundert v. Chr. die glanzvolle Hauptstadt des Hethiterreiches – einer der dominierenden Großmächte der Spätbronzezeit. Seit 1986 UNESCO-Weltkulturerbe und seit 2001 mit seinem königlichen Keilschriftarchiv im UNESCO-Weltdokumentenerbe verzeichnet, fasziniert die „Stadt der tausend Götter“ durch gewaltige Zyklopenmauern, monumentale Tore, geheime Poternentunnel und das Felsenheiligtum Yazilikaya.
2-Tage-Kulturroute: Hethitische Zivilisation und Archäologie
Um das über zwei Quadratkilometer große archäologische Areal von Hattuscha, die mystischen Felsengalerien von Yazilikaya, das Museum in Bogazkale und die Hatti-Königsgräber von Alacahoyuk vollends zu erkunden, empfiehlt sich eine zweitägige Route. Der erste Tag gehört den Toren und Befestigungen von Hattuscha sowie Yazilikaya; der zweite Tag widmet sich Alacahoyuk und den historischen Gassen von Corum.
- Tag: Unterstadt, Großer Tempel und der Heilige Grüne Stein
Die Erkundung beginnt in der Unterstadt von Hattuscha am monumentalen Großen Tempel (Tempel 1), der dem hethitischen Wettergott Teschub und der Sonnengöttin von Arinna geweiht war. Umgeben von hunderten Magazinzellen mit riesigen Vorratsgefäßen (Pithoi), birgt der zentrale Hof den sagenumwobenen Heiligen Grünen Nephritstein (Wunschstein), ein poliertes Monolith-Geschenk, das der Überlieferung nach vom ägyptischen Pharao Ramses II. nach dem Friedensvertrag von Kadesch überreicht wurde.
Oberstadt: Löwentor, Yerkapi-Tunnel und Königstor
Beim Aufstieg zur Oberstadt offenbart sich das hethitische Festungsbau-Genie. Das im 14. Jahrhundert v. Chr. aus riesigen Monolithblöcken gehauene Löwentor bewacht mit zwei kraftvollen Steinlöwen die westliche Stadtflanke, um Unheil von der Stadt fernzuhalten.
Am höchsten Geländepunkt liegt Yerkapi (Erdtor), ein 250 Meter langer und 30 Meter hoher steinerner Glacis-Wall. Unter diesem Befestigungswall verbirgt sich der 71 Meter lange geheime Poternentunnel. Das Durchqueren dieses im Kragsteingewölbe errichteten Tunnels vermittelt ein unvergessliches Gefühl antiker Wehrarchitektur.
Am östlichen Mauerabschnitt befindet sich das Königstor, geschmückt mit dem berühmten Hochrelief des hethitischen Kriegergottes Scharruma mit Helm und Streitaxt. Weiterhin besichtigen Sie die königliche Akropolis Büyükkale (Königspalast), Fundort der Kadesch-Vertragstafeln, und die Festungsbastion Yenicekale.
Das hethitische Felsenheiligtum Yazilikaya
Zwei Kilometer nordöstlich der Hauptanlage liegt Yazilikaya, das wichtigste religiöse Freiluftheiligtum des Reiches für das Neujahrsfest. In die Felsengalerie gemeißelt, zeigen die Reliefs in Kammer A den Götteraufzug mit Teschub und Hepat, während Kammer B mit dem eindrucksvollen Fries der 12 Unterweltgötter mit Sichelschwertern fasziniert.
- Tag: Museum Bogazkale, Alacahoyuk und Corum-Basar
Der zweite Tag beginnt im Museum Bogazkale, das unschätzbare Keilschrifttafeln, Kulthirsche und originale Stein-Sphingen beherbergt.
Anschließend führt die Fahrt 45 km weiter nach Alacahoyuk, der ersten nationalen türkischen Ausgrabungsstätte, die 1935 durch Staatsgründer Atatürk initiiert wurde. Bestaunen Sie das monumentale Sphinxtor und die frühbronzezeitlichen Hatti-Fürstengräber mit ihren weltberühmten goldenen Diademen und bronzenen Sonnenscheiben.
Praktische Reisehinweise (Eintrittspreise & Öffnungszeiten 2026)
- Eintrittspreise: Türkische Staatsbürger nutzen die MuseumPass-Karte (Müzekart) kostenlos. Für internationale Gäste beträgt das Kombiticket ca. 12-15 Euro.
- Öffnungszeiten: Sommersaison (April - Oktober) 08:30 - 19:00 Uhr (Kassenschluss 18:30 Uhr); Wintersaison (November - März) 08:30 - 17:00 Uhr. Täglich geöffnet.
- Besichtigung im Areal: Das weitläufige Gelände verfügt über eine 6 km lange asphaltierte Ringstraße, die bequem mit dem eigenen Pkw oder Mietwagen befahren werden kann.
- Sonnenschutz & Schuhwerk: Die anatolische Steppensonne ist im Sommer intensiv; Kopfbedeckung, Sonnencreme und ausreichend Wasser mitführen. Festes Schuhwerk ist für den Yerkapi-Tunnel und Treppenanlagen unerlässlich.
Anreise und Verkehrsverbindungen
- Fernstraße Ankara - Corum: Über die Schnellstraße von Ankara zweigt man bei Sungurlu auf eine 28 km lange Asphaltstraße nach Bogazkale ab (ca. 200 km / 2 Std. 15 Min. ab Ankara; 82 km ab Corum-Zentrum).
- Öffentliche Verkehrsmittel: Vom zentralen Busbahnhof Corum verkehren Minibusse nach Sungurlu und Bogazkale. Ab Ankara-AŞTİ nimmt man den Überlandbus nach Sungurlu und steigt dort in den Bogazkale-Dolmus um.
- Flughäfen: Die nächstgelegenen Flughäfen sind Amasya-Merzifon (MZH - 145 km) und Ankara-Esenboga (ESB - 190 km).
Kulinarische Höhepunkte der Region
- Corum Leblebi: Die weltberühmten, mehrfach im Kupferkessel über offenem Holzfeuer gerösteten gelben Kichererbsen in gesalzener, gewürzter oder schokolierter Variante.
- Iskilip Dolmasi (Ca Dolmasi): Ein 500 Jahre altes Festmahl, bei dem Reis in Stoffsäcken über stundenlang garendem Fleisch im geschlossenen Kupferkessel im Fleischdampf zubereitet wird.
- Corum Kuru Manti: Im Ofen goldbraun gebackene Teigtäschchen, mit kräftiger Fleischbrühe, Knoblauchjoghurt und Sumach-Butter verfeinert.
- Gül Burmasi Baklava: Knusprig aufgerollter, hauchdünner Filoteig mit feinsten Walnüssen und mildem Zitronenzuckersirup.
Die beste Zeit zur Fotografie der Götterreliefs von Yazilikaya ist der späte Nachmittag, wenn das schräge Licht der untergehenden Sonne die Konturen der Steinmetzkunst lebendig hervortreten lässt. Probieren Sie nach Ihrem Rundgang im Dorf Bogazkale traditionelles hethitisches Steinofenbrot und versäumen Sie keinesfalls, auf der Rückfahrt im historischen Basar von Corum ofenfrische Leblebi zu erstehen.










